Donnerstag, 26. Mai 2011 | AGFT-Koordinierungsstelle
Kinder und Jugendliche zu einer selbständigen Freizeitgestaltung anzuregen, sehen Leipzigs Jugendarbeiter als ihre wichtigste Aufgabe. Das ergab eine aktuelle Umfrage zur Relevanz der jugendpolitischen Schwerpunkte unter den Jugendhilfeträgern in der Stadt.
„Wir beobachten, dass in unseren sozialpädagogisch betreuten Freizeitangeboten der Anteil der Jugendlichen mit größeren Problemen weiter zunimmt.“ so Oliver Reiner, Koordinator der Arbeitsgemeinschaft Freier Träger der Jugendhilfe (AGFT). Die Mitarbeiter müssen sich immer mehr, um selbstverständlich erscheinende Dinge kümmern. So stellen sie immer wieder fest, dass jugendliche Besucher kaum etwas Vernünftiges gegessen haben. Auf die Idee, dass eine Freizeitgestaltung ohne Fernseher, Internet und Handy schön sein kann, kämen die meisten Besucher der offenen Freizeittreffs nicht von allein.
Die Sozialarbeiter versuchen deshalb genau da anzusetzen und eine aktive Freizeitgestaltung mit den Jugendlichen einzuüben – basierend auf dem Bewusstsein ihrer eigenen Bedürfnisse. Im Fachjargon spricht man von Beteiligungsangeboten und Partizipation. Vor diesem Hintergrund erscheint es vollkommen schlüssig, dass bei der aktuellen Umfrage die Jugendpolitischen Schwerpunkte „Kinder und Jugendliche durch Beteiligungsmöglichkeiten stärken“ und „Selbstorganisation der Freizeitgestaltung fördern“ die mit Abstand meisten Nennungen der freien Träger erhalten haben. Kein anderer jugendpolitischer Schwerpunkt prägt die Arbeit der Akteure im Jugendbereich derzeit mehr.
Einig sind sich die Jugendarbeiter auch darin, dass das Ziel „Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen“ kaum von ihnen beeinflussbar ist. Deshalb spielt es bei den meisten Trägern keine Rolle in ihrer täglichen Arbeit. Dafür wäre eine viel individuellere Betreuung notwendig.
Alle anderen jugendpolitischen Schwerpunktsetzungen werden von den Vereinen unterschiedlich stark fokussiert. „Dies ist ein Indiz für die Vielfalt der Trägerlandschaft!“, so Christian Kreusel, Missionsdirektor der Diakonie Leipzig (AGW).
Doch diese Vielfalt ist seit Jahren gefährdet. Da nützt die Einsicht kaum, wenn Landespolitiker auf Frühlingsfesten kleinlaut zugeben, dass die Kürzung der Jugendpauschale in Sachsen wohl ein Fehler gewesen sei. Aus Sicht der der Jugendverbände kommt dies zu spät, denn die verheerenden Auswirkungen sind im ganzen Land bereits eingetreten.
Weitere Einschnitte für die Jugendhilfe in der Stadt Leipzig kündigte deren Kämmerer Torsten Bonew schon vor Wochen an. „Wir betrachten diese Entwicklung mit großer Sorge: Die Förderung von Kindern und Jugendlichen ohne Problemlagen bleibt dabei auf der Strecke. Wenn wir immer nur dort Löschen, wo das Feuer am höchsten brennt, gefährdet das neben der Zukunftsfähigkeit unserer Stadt auch den sozialen Frieden!“, so Corinna Graf, Geschäftsführerin des Stadtjugendring Leipzig e.V.
Befragt wurden Jugendarbeiter und Geschäftsführer der drei Leipziger Dachverbände Arbeitsgemeinschaft freier Träger der Jugendhilfe (AGFT), des Stadtjugendring Leipzig e.V. (SJR) und der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtverbänden (AGW). Sie sollten angeben, welchen Stellenwert die jugendpolitischen Schwerpunkte in ihrer täglichen Praxis einnehmen. Der Stadtrat der Stadt Leipzig hat diese 10 Ziele im Rahmen der Jugendhilfeplanung 2007 beschlossen. Die Umfrageergebnisse sollen Eingang in die aktuelle Überarbeitung des Jugendhilfeplanes finden.