VILLA jetzt im eigenen Haus


Trägerorganisation kauft Gebäude und sichert so den einmaligen Standort

Dem Soziokulturellen Zentrum "Die VILLA" ist ein wichtiger Schritt gelungen: Die VILLA-Betriebsgesellschaft mbH kaufte jetzt das ehemalige Gebäude der Handwerkskammer in der Lessingstraße 7 im dem das Kultur- und Jugendzentrum seit über zehn Jahren arbeitet. "Damit ist endlich sicher, dass wir an diesem einmaligen, zentralen Standort in Leipzig weiter bleiben und unsere vielfältigen Projekte und Veranstaltungen für alle Altersstufen anbieten können." freut sich VILLA-Geschäftsführer Oliver Reiner. "Im Frühjahr haben wir unseren 20. Geburtstag gefeiert. Jetzt können wir uns dazu das schönste Geschenk selber machen."
Der Kauf war durch die Insolvenz des bisherigen Eigentümers - einer Leipziger Immobilienfirma - möglich geworden. Mit Unterstützung der Bank für Sozialwirtschaft konnten die VILLA-Aktiven eine langfristige Finanzierung erarbeiten, bei der sie trotz Zins- und Tilgungszahlungen deutlich gegenüber der bisherigen Miete sparen. Mehrere Investoren - auch aus dem Ausland - hatten sich für das lukrative Grundstück in direkter zentrumsnähe interessiert. Am Ende entschied das höchste Angebot und viel Glück für die VILLA: Ein mehr bietender Interessent wurde vom Insolvenzverwalter aus formellen Gründen nicht zugelassen. Für die über 50 ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter des Hauses fand damit das große Bangen um das Projekt ein Ende: Ein Investor hätte mittelfristig entweder deutlich höhere Mieten oder auch das Auslaufen des Mietvertrages bedeutet. Diese finanziellen Belastungen sind der VILLA erspart geblieben.
Die VILLA bleibt damit etwas besonderes in der Stadt: Während die anderen Soziokulturellen Zentren kommunale Gebäude mieten, ist die VILLA jetzt nicht mehr von einem Vermieter abhängig. "Langwierige und zermürbende Sanierungsdiskussionen wie aktuell beim ANKER oder auch dem Werk II blieben uns dadurch erspart." Und auch die Stadt Leipzig sparte viel Geld: "In unser Haus musste Leipzig nie Sanierungsmittel stecken. Diese haben wir immer selber erwirtschaftet oder über Förderprogramme von außerhalb eingeworben. Wir gegen davon aus, dass das so bleibt." ist Reiner überzeugt.
Nächstes Ziel ist eine stabile Grundfinanzierung des quirligen Zentrums in der Lessingstraße: Die anderen Soziokulturellen Zentren wie die naTo, das Haus Steinstraße oder auch der ANKER waren nach der Wende aus privatisierten Kultur- und Pionierhäusern hervorgegangen. Um den Übergang zu ermöglichen, hatten Sie längerfristige Förderverträge erhalten, die bis heute verlängert worden sind. Um eine ähnliche Grundfinanzierung bemüht sich die VILLA seit Jahren. "Wir haben in diesem Jahr unser Betreiberkonzept grundlegend überarbeitet. und dafür fachlich viel Lob bekommen. Derzeit sprechen wir intensiv mit dem Kultur- sowie dem Jugendamt und sind optimistisch zum Jahresende endlich eine tragfähige Lösung auch für die VILLA zu finden." so Reiner. "Durch den Hauskauf und die damit gesunkenen Kosten haben wir unsere Hausaufgaben für eine effiziente Kultur- und Jugendarbeit für die Leipziger gemacht."

Entstanden war das bundesweit bekannte Zentrum in der Wendezeit, als bürgerbewegte Leipziger die FDJ-Kreisleitung in einer Jugendstil-VILLA in der Karl-Tauchnitz-Straße besetzten und dort eine ideologiefreie und an den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen orientierte Jugendarbeit aufbauten. Der daraus entstandene Villa-Verein war dann auch der erste, der in Leipzig als Träger der Jugendhilfe offiziell anerkannt worden war. Das Haus war damals wie heute Treffpunkt für Leipziger mit Ideen und Engagement. Viele Projekte in der Stadt lassen sich auf die VILLA zurückführen.

1999 mussten die Vereine ihr Haus verlassen. Es hatte mittlerweile seinen Alteigentümer zurückerhalten und dieser hatte mit der Immobilie anderes vor. In der ehemaligen Handwerkskammer in der Lessingstraße fanden die Macher dann eine neue Bleibe und bessere Arbeitsbedingungen. Über die Jahre entwickelte sich aus dem Jugendprojekt ein soziokulturelles Zentrum mit breitem Angebotsspektrum für alle Altersgruppen. Heute finden hier jede Woche durchschnittlich 100 Angebote und Veranstaltungen statt. Neben der Volkshochschule ist die VILLA damit das Kulturzentrum mit dem umfangreichsten Programm in der Stadt. Fast 70.000 Besucher nutzen die Angebote des Hauses im Jahr. Neben der gemeinnützigen LeISA GmbH die aus dem ehemaligen VILLA e.V. entstand und heute Träger des Soziokulturellen Zentrums ist, haben jetzt 10 weitere Vereine und Initiativen hier ihren Sitz wie beispielsweise Leselust Leipzig, ein Seniorentanzverband oder auch der Leipziger Stadtschülerrat. Mit über 100 anderen Gruppen kooperiert das Zentrum pro Jahr, um die vielfältigen Tanz- und Musikgruppen, aber auch die bunten Jugend- und Bildungsangebote zu ermöglichen.